Sony hat offiziell bestätigt, dass die Produktion physischer Spiele Discs für neue Veröffentlichungen auf PlayStation Konsolen ab Januar 2028 eingestellt wird. Ab diesem Zeitpunkt sollen neue Spiele nur noch digital erhältlich sein, entweder direkt im PlayStation Store oder über Händler, die digitale Formate anbieten. Für Sammlerinnen und Sammler klingt das ungefähr so, als hätte jemand das geliebte Regal mit den Boxen angesehen und gesagt: Schön war’s, aber jetzt reicht ein Code. Ganz so brutal formuliert es Sony Interactive Entertainment natürlich nicht. Das Unternehmen verweist auf veränderte Kundengewohnheiten und einen Markt, der sich immer stärker von physischen Medien in Richtung Downloads bewegt.
Wichtig ist dabei die konkrete Einschränkung: Bereits veröffentlichte Spiele und Titel, die vor Januar 2028 noch als Disc erscheinen, sollen von der Umstellung nicht betroffen sein. Wer also seine PS4 oder PS5 Sammlung im Regal stehen hat, muss diese nicht hektisch in Luftpolsterfolie wickeln und in einen Bunker tragen. Die vorhandenen Discs bleiben spielbar, soweit Hardware und jeweilige Kompatibilität das ermöglichen. Was sich ändert, betrifft neue Veröffentlichungen ab dem Stichtag. Damit endet für PlayStation nach mehr als drei Jahrzehnten ein zentraler Teil der Konsolenkultur. Vom ersten schwarzen PlayStation Jewelcase bis zur blauen PS5 Hülle war die Disc nicht nur Datenträger, sondern auch Besitzgefühl, Flohmarktbeute, Leihobjekt, Sammlerstück und gelegentlich auch das, was man im falschen Moment nicht mehr findet, weil es in der falschen Box steckt.
Was bedeutet das für alte Spiele und die PS6?
Parallel zur Disc Meldung kündigte Sony auch Änderungen beim PlayStation Store auf PS3 und PS Vita an. In ausgewählten Märkten beginnt die Schließung des PS3 Stores bereits im August 2026, weitere Regionen folgen später, weltweit sollen PS3 und PS Vita im Juli 2027 betroffen sein. Neue Käufe sind danach auf diesen Geräten nicht mehr möglich, bereits erworbene Inhalte sollen laut Sony weiterhin auf absehbare Zeit heruntergeladen werden können. Genau diese Kombination macht die heutige Ankündigung so brisant: Während ältere digitale Stores auslaufen, wird die Zukunft neuer Spiele gleichzeitig vollständig digital. Das ist aus Unternehmenssicht nachvollziehbar, aus Sicht von Archivierung, Weiterverkauf und langfristigem Zugriff aber ein Thema, das in den nächsten Monaten noch für reichlich Diskussion sorgen dürfte.Spannend wird dadurch vor allem der Blick auf die nächste Konsolengeneration. Eine PlayStation 6 wurde von Sony weiterhin nicht offiziell angekündigt. Trotzdem liefert die neue Disc Entscheidung ein ziemlich deutliches Signal. VGC zitiert den Ampere Analysten Piers Harding-Rolls, der nun davon ausgeht, dass ein Start der PS6 vor 2028 praktisch ausgeschlossen sei. Seine aktuelle Erwartung: Ende 2028. Außerdem hält er es für wahrscheinlich, dass die neue Konsole zumindest standardmäßig kein physisches Laufwerk mehr besitzen wird. Denkbar wäre laut seiner Einschätzung höchstens ein optionales Laufwerk für ältere PS4 und PS5 Discs oder eine Art Umwandlung physischer Spiele in digitale Lizenzen. Das ist allerdings Spekulation und nicht Teil der offiziellen Sony Ankündigung.
Der Schritt kommt nicht aus dem Nichts. Schon bei der PS5 startete Sony mit einer klassischen Variante inklusive Laufwerk und einer PlayStation 5 Digital Edition. Später wurde das Laufwerk bei neuen Modellen stärker zur Zusatzoption, bei der PS5 Pro war ein Disc Laufwerk nicht mehr standardmäßig eingebaut. Laut den von VGC zitierten Zahlen meldete Sony Interactive Entertainment für das zuletzt abgeschlossene Geschäftsjahr einen Digitalanteil von 78 Prozent bei vollständigen Spielverkäufen. Zum Vergleich: Zum Start der PS4 Ära lag dieser Anteil laut Ampere Daten noch bei 13 Prozent. In den USA sollen laut Circana bis Ende Mai 2026 bereits 27 Prozent der verkauften PS5 Konsolen ohne Disc Laufwerk gewesen sein. Bei Xbox Series Modellen lag der Anteil ohne Laufwerk demnach sogar bei 52 Prozent.
Auch große Spielehersteller bereiten den Boden bereits vor. Rockstar Games verkauft Grand Theft Auto VI zwar auch in einer physischen Box, darin befindet sich aber kein Datenträger, sondern ein Downloadcode. Das ist im Grunde die Videospielversion eines Sandwiches ohne Brot: Die Verpackung ist da, der eigentliche Inhalt kommt aus dem Netz. Für Händler bleibt damit zwar eine Rolle im Verkauf digitaler Produkte, doch der klassische Gebrauchtmarkt, das Verleihen an Freunde und das Sammeln vollständiger physischer Versionen werden deutlich schwieriger. Ab Januar 2028 wird PlayStation damit nicht nur digitaler, sondern auch kontrollierter. Der Kauf wandert endgültig vom Datenträger zur Lizenz. Für die Branche ist das ein gewaltiger Schnitt, für viele Spielerinnen und Spieler dürfte es der Moment sein, in dem die gute alte Spielewand plötzlich ein Ablaufdatum bekommt.



